Am besten gar nicht selber ätzen! Es lohnt wirklich den Aufwand
nicht! Wer es dennoch nicht lassen kann, der sollte Grundkenntnisse
besitzen und muss für eine vernünftige Ausrüstung inklusive
Entsorgungsmöglichkeiten sorgen. Ich habe in den Jahren, als ich es
noch für sinnvoll empfunden habe Leiterplatten zu ätzen vier
verschiedene Ätzsubstanzen benutzt. Eisen-3-Chlorid, Aminiumpersulfat,
"Seno-Feinätzkristall", und HCL/H2O2. Wer den Umgang mit Chemikalien
nicht zumindest in der Schule gelernt hat, sollte hier nicht weiterlesen.
Vernünfige Resultate für den gelegentlichen Hausgebrauch ohne
Sauerei bringen nur letztere beiden. Seno war damals allerdings schlecht
zu entsorgen, weil man kein Aussage darüber treffen konnte, was das
überhaupt ist. Ausserdem ätzt es sehr langsam und ist teuer.
Die Qualität ist aber auch gut. Zuletzt habe ich HCl/H2O2 benutzt.
Das ist aber eine extrem harte Kombination von Chemikalien, eben Salzsäure
und Wasserstoffperoxid:
Dieses ist ein Verfahren für Personen,
für die der Umgang mit diesen Flüssigkeiten nicht völlig
fremd ist! Es kann weder Erfolgsgarantie noch Haftung übernommen werden!
Salzsäure darf man bekanntlich keineswegs in geschlossenen Räumen
nutzten ,die auch nur etwas Metall enthalten. Nach ein paar Ätzbädern
gammelt und rostet _alles_, von denen man nicht wusste, dass es das
überhaupt kann. Weiterhin verätzt der Salzsäuredampf
in der Luft die Atemwege! Also entweder ins Freie gehen, oder besser einen
Chemiearbeitsplatz mit Abzug nutzen! Bei empfindlichen Atemwegen würde
ich dies wiederum überhaupt nicht versuchen! Nun zum Schutz der Hände
und Augen. Wenn man mit diesem Zeug arbeitet, braucht man zumindest extrem
robuste Chemie-Handschuhe (für Flusssäure) und eine Brille. Die
Handschuhe machen es ein paar Monate, bevor sie zerfallen. Ich habe immer
etwas Wasser in die Handschuhe laufen lassen, damit ich auch im Falle eines
Loches im Handschuh nichts an die Finger bekam. Die Klamotten sind allgemein
durch Spritzer eine Gefahr. Daher kann natürlich nur alte Baumwollkleidung
genutzt werden. Zur Sicherheit empfiehlt sich auch immer ein nasses Tuch
über Nase und Mund zu binden, in dem sich der Säuredämpf
lösen kann.. Man sollte keinesfalls mit den Handschuhen in die Flüssigkeit
hineinfassen, da diese dann nicht lange halten. Die Kombination der
Substanzen ist einfach zu heftig. Entweder man nutzt soetwas wie eine Grillzange
(natürlich nicht aus Metall!) oder man wählt die Platinenfläche
etwas grösser und bohrt in die Ecken Löcher für längere
Kunststoffschrauben. Bei zweilagigen Platinen verhindert das auch, das
die Unterseite am Grund des Gefässes reibt, und Schmutz oder ein Grad
die Schutzschick zerkratzt. Das Gefäss sollte möglichst aus Glas
(glatt, wird nicht angegriffen) und doppelt so gross wie die zu ätzende
Platine sein, da sich diese bewegen können muss. Wenn die Leiterplatte
entwickelt und vom Natrumchlorid gereinigt ist kann es losgehen. Zum Ätzen
stellt man sich zuerst etwas Wasser in die Nähe, um die Reaktion notfalls
sofort bremsen zu können, da die Flüssigkeit zu heiss werden
kann. Man darf allerdings nicht zu ängstlich sein. Die Lösung
sieht, weil sie so brodelt, wärmer aus, als sie wirklich ist. Zuerst
giesst man etwas H2O2 (natürlich 20%ig und _nicht_ gar 70%) in die
Schale. Dann stellt man die Flasche zur Seite und giesst vorsichtig etwas
Salzsäure dazu (30%, Baumarktqualität) und stellt auch die Flasche
zur Seite. Nun gilt es die Flüssigkeit zu vermengen. Dabei ist nicht
viel Sorgfalt nötig die folgende Reaktion mischt die Flüssigkeit
selber sehr schnell. Nun kommt die Leiterplatte dazu. Sobald sie in die
Flüssigkeit eintaucht gehts los. Damit der Prozess gleichmäßig
abläuft, sollte das Gefäss etwas bewegt werden. Der gesamte Vorgang
läuft übrigens sehr sehr schnell ab. Eine Europakarte ist binnen
einer Minute fertig, wenn man das will. Es geht aber auch langsamer. Die
Farbe der Flüssigkeit wechselt beim Nachfüllen von H2O2 oder
HCl von grün nach blau, je nachdem wie das Kupfer oxidiert wird. Das
Verfahren läuft so ab, dass das H2O2 die Platine oxidiert (wird schwarz)
und die HCl das Oxid wegfrisst (kupferfarben). Wenn eine Flüssigkeit
zu schwach bestückt ist, tendiert die Leiterplatte in eine dieser
Farbrichtungen und man kann erkennen, was nachgefüllt werden muss.
Man darf übrigens nicht zu sparsam mit den Flüssigkeiten umgehen,
sonst wird das gleichmässige Ätzen schwierig. Abschliessend ist
die Leiterplatte mit Wasser zu reinigen und der verbliebene Schutzlack
mit Azeton zu entfernen. Azeton ist eine unfreundliche Substanz, die bis
hin zu krebserregend einzustufen ist. Dieses Lösungsmittel, wäscht
die hauteigenen Fette aus. Daher sollte Hautkontakt vermieden werden.
Noch ein Tip zur Entsorgung. Die Abfallsubstanz gast aus. Daher dürfen
die Behälter nicht (längerfristig) fest verschraubt sein. Weiterhin
ist Vorsicht in Verbindung mit Azeton geboten, was normalerweise zum Entfernen
des Fotolackes genutzt wird. Niemals Azeton in die Abfallflüssigkeit
giessen. Diese Stoffe produzieren bei falschem Vorgehen die nicht besonders
stabile Sprengstoffverbindung "Azetonperoxid" welche auch noch mit Kupfer
verunreinigt ist, und mit 9 km/sec explodiert! Schon in diesen Mengen
wird man ggf. jemanden von den Wänden kratzen müssen, der damit
herumspielt hat! Das zum Entwickeln nötige Natriumchlorid, was dadurch
mit Silber verunreinigt wird, darf natürlich auch aus Entsorgungsgründen
nicht mit "hineingekippt" werden.